Es war das letzte Wochenende vor Halloween. In meinem Kalender hatte ich diesen Vollmond rot markiert. Durch Zufall hatte ich ein Gespräch der Rumtreiber bemerkt, indem sie darüber diskutierten, dass Remus nach Hause fuhr um dort seinem Wolf freien Lauf zu lassen. Dumbledore hatte dies angeordnet, da die Heulende Hütte repariert werden musste. Zu viel war bereits zu Bruch gegangen. Für mich war das die Gelegenheit.

Am Freitagnachmittag packte ich ein paar Sachen ein und schlich mich aus dem Schloss. Meinen Freundinnen erzählte ich, dass ich zu meinen Großeltern fahren würde. Remus war bereits gestern abgereist. Schon heute Abend war Vollmond und dieses Mal würde ich ihm sagen, dass ich weiß was er war. Und, dass ich ihn liebte. Ich konnte so nicht mehr weiter leben. Ich musste es ihm einfach sagen. 

Hogsmeade war wie ausgestorben. Es war als würde in dem Dorf bloß dann Leben herrschen, wenn die Schüler hier hin durften. Der kalte Wind blies mir um die Ohren und so setzte ich die Kapuze meines Umhanges auf. Für Mitte Oktober war es definitiv zu kalt. Ich betrat das Dreibesen und grinste Madam Rosmerta an. „Kann ich mal den Kamin benutzen?“ Wissend nickte sie und reichte mir das Flohpulver. „Natürlich, Schätzchen. Stell aber nichts an“, lächelte sie. Ich griff das Pulver und trat in den Kamin. „Newcastle upon Tyne.“

Der Kamin sog mich in sich, zumindest fühlte es sich so an. Es dauerte nur wenige Augenblicke und ich kam hustend aus dem Kamin eines Lokales. „Wer bist‘n du? Dich kenn ich nicht“, sagte ein alter Mann und kam mit ausgestreckter Hand auf mich zu. „Old Bill Chuttington“, stellte er sich vor. „Ruby Greenwood. Wissen Sie wo das Haus der Lupins ist?“, fragte ich den alten Kautz. Er nickte. „Kommste mal mit. Ich zeig dir wieste hinkommst.“ Wir gingen vor die Tür des Lokales und er zeigte auf einen Hügel. „Dort oben. Ganz oben auf dem Hügel, da stehts. Den Jungen hab ich gestern hier gesehn. Dachte eigentlich er ist auf Hogwarts. Naja, was solls, ich muss wieder an die Arbeit, Kindchen!“ Mit voller Wucht klopfte er mir zweimal auf die Schulter und verschwand wieder in seinem Lokal. 

Ich machte mich auf den Weg zu Remus Haus. Es war ein etwas längerer Fußmarsch, aber in einer halben Stunde hatte ich das große Holzhaus erreicht. Es war sehr schön und ich hoffte einfach nur noch, dass Remus meine Gefühle erwiderte. Also klopfte ich an die Eingangstür. Ich war sichtlich nervös und ich wischte meine schweißnassen Hände an meiner Jeans ab. „Ich komme!“, hörte ich meinen geliebten Wolf schreien und keine zwei Sekunden später machte er auch schon mit Schwung die Tür auf und...

„Ruby? Was machst du hier?“ „Hi, Re-Remus. Kann ich hinein kommen?“ Angesprochener nickte und trat beiseite damit ich an ihm vorbei konnte. „Klar, komm herein.“

Wir gingen in die Küche und ich setzte mich. „Willst du etwas zu Trinken?“ „Ja, ein Glas Wasser bitte“, antwortete ich. Er setzte sich mir gegenüber und stellte mir das Glas hin. „Ich habe das Gefühl, dass du mir etwas erzählen willst.“ Ich nickte. 

„Also, Remus. Das hier fällt mir wirklich schwer, immerhin habe ich es fünf Jahre für mich behalten und nun werde ich es dir sagen. Ich weiß nicht wie ich anfangen soll...“ Remus wollte bereits etwas sagen, als ich ihm ins Wort fiel und ihn beinahe anbrüllte: „Ich liebe dich!“ Schnell schlug ich mir die Hand vor den Mund und ich hatte das Gefühl, meine Augen wären doppelt so groß, als gewöhnlich. Auch Remus sah mich geschockt an, sagte aber nichts. 

„Okay, so wollte ich es nicht sagen. Das war jetzt vielleicht etwas unpassend...“, begann ich wieder, und diesmal fiel mir Remus ins Wort: „Du kannst so jemanden wie mich nicht lieben. Das habe ich nicht verdient.“

„Remus, ich liebe dich. Ich liebe alles an dir. Wirklich alles. Ich weiß, was du bist. Ich weiß, warum du einmal im Monat in die Heulende Hütte verschwindest und ich weiß, warum sich deine Freunde in Animagi verwandeln können. Weil du ein Werwolf bist!“ Geschockt sah er mich an. 

„Du weißt es, und trotzdem willst du mit mir befreundet sein?“ „Remus, ich will nicht nur mit dir befreundet sein. Ich halte es einfach nicht mehr aus. Jedesmal wenn wir allein waren wollte ich es dir sagen. Aber ich hatte solche Angst davor, dass du nicht dasselbe für mich empfinden könntest und ich denke, meine Angst hat sich bewahrheitet. Ich hätte nicht kommen sollen. Es tut mir Leid, Remus.“ 

Die Tränen hatten sich bereits in meinen Augen angesammelt. Ich stand auf und wollte bereits gehen, als mich Remus zurückhielt und mich zu sich zog. Kurz darauf lagen seine wundervoll weichen Lippen auf meinen und in meinem Bauch explodierte alles. 

„Nie im Leben hätte ich mir erträumen wollen, dass jemand wie du tatsächlich in jemanden wie mich verliebt war. Weißt du, bis vor einem Jahr roch ich in der Vollmondnacht immer einen Duft. Ich konnte ihn nie zuordnen, das einzige, was ich wusste, war, dass es den Wolf in mir ebenso beruhigte wie mich. Und dann, letztes Jahr bei einem Quidditchspiel hast du mich so plötzlich umarmt und da war der Duft wieder.“ 

Ich stellte mich auf die Zehenspitzen und küsste ihn so sanft wie ich nur konnte. Es war das beste Gefühl, das es gab. Ich konnte mir tatsächlich nichts Besseres vorstellen. 

Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und drückte ihn an mich, während sich seine Arme um meinen Körper schlangen. „Ich liebe dich so sehr, Remus Lupin.“ 

Zwar konnte ich es nicht sehe, aber doch wusste ich es, dass er in diesem Moment selig lächelte, denn auch er sagte: „Ich liebe dich auch, Ruby.“

Wir setzten uns auf die Couch und sprachen über belanglose Dinge, bis Remus meinte: „Ich denke, du solltest jetzt gehen, Ruby. Ich will dir nicht wehtun. Es wird bald so weit sein.“ Er setzte sich auf und sah mich besorgt an. „Ich bleibe solange, bis du im Keller bist. Dann verschließe ich die Luke und gehe. Versprochen.“ Remus willigte, zwar nicht ganz einverstanden ein und ging in sein Zimmer, um sich auszuziehen. Nur mit Boxershorts bekleidet kam er wieder und ich nahm mein Halstuch ab. 

„Hier. Nimm das, wenn es den Wolf ruhiger macht“, lächelte ich ihn an und küsste ihn erneut. Diesmal erwiderte Remus den Kuss anders. Er war härter und wesentlich leidenschaftlicher als die zuvor. Als wäre gerade eine andere Seite in ihm erwacht. Außer Atem trennte er sich von mir und ging in den Waschraum. Dort war eine Falltür, die er aufmachte und hineinsprang. Er sah zu mir hoch. „Ruby, bitte bleib nicht hier. Ich könnte es nicht ertragen, wenn ich dir wehtun sollte.“ Sein Blick war schmerzverzerrt, als er auf die Knie fiel und die Verwandlung begann. „Geh, Ruby, geh!“, schrie er und stöhnte zugleich vor Schmerz. 

Schnell schlug ich die Falltür zu und schob den Riegel vor. Mein Freund verwandelte sich in diesem Moment in einen Werwolf und ich konnte ihm nicht helfen. 

Ich vernahm sein Brüllen und mir wurde flau im Magen. Ich stolperte rückwärts, als er im Keller begann zu randalieren. Mit meinen Händen stieß ich gegen den weißen Flügel, der mitten im Wohnzimmer stand. Dies gab eine Mischung aus vielen verschiedenen grauenhaften Tönen. Für einen Moment war Ruhe. Wieder drückte ich einige Tasten des Klaviers. Erneut hörte Remus auf zu toben. Ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht und ich setzte mich auf den Hocker. Ich lockerte meine Finger und begann zu spielen. Das würde eine lange Nacht werden, dachte ich und die Klaviertöne erfüllten das ganze Haus.