»So, Miss Parker, nun lesen Sie bitte die ersten vier Zeilen der Tafel dort vorne vor«, sagte Madam Pomfrey und setzte sich auf den Stuhl neben  mir. »R V U S - Z G O L - M D K F - B N P Q.« Madam Pomfrey seufzte und schrieb etwas auf. »Nun ja, Miss Parker, ich würde sagen, sie bräuchten eine Brille!« Ich sah die Heilerin entgeistert an. »Das ist doch wohl ein schlechter Scherz, nicht?« Sie schüttelte den Kopf. »Nein, ist es nicht.« Sie gab mir eine Broschüre, wo etwa fünfzig Brillen zu sehen waren. »Muss ich das dämliche Teil immer tragen?«, fragte ich etwas patzig. Wieder schüttelte sie den Kopf. »Nein, Sie brauchen sie nur zum Lesen und Schreiben.« Ich entschied mich für eine einfache schwarze Brille, da ich nichts Auffälliges haben wollte. War ja schon schlimm genug, dass ich überhaupt eine tragen musste! »Gut, Miss Parker. Morgen Nachmittag wird die Brille dann da sein. Kommen Sie nach dem Unterricht einfach zu mir und dann werden wir sie auf   Ihren Kopf anpassen, alles klar?« Ich nickte und verabschiedete mich. Das hatte mir wirklich noch gefehlt. Aber es gab Schlimmeres...

»Guten Morgen, meine Lieben!«, sagte Madam Sprout, als wir im Gewächshaus waren. »Zum Start ins neue Jahr, wollen wir gleich was Neues machen! Also jeder setzt sich an einen Tisch und schlägt das Buch auf Seite 15 auf. Dort seht ihr die Zeichnung einer sehr seltenen Baumart. Eigentlich gedeit diese Art nur in         Mitteleuropa, aber wir können durch einen Zauber das Klima dieser Region       nachahmen und so die Pflanzen hier halten. Die Pflege dieses Baumes ist sehr aufwändig. In seiner Heimat gibt es dafür spezielle Zauber, die dies jeden Tag   erledigen, aber um euch zu demonstrieren, wie und warum man das macht,    werdet ihr heute jedes einzelne Blatt mit einer speziellen Flüssigkeit bestreichen. Dies sorgt dafür, dass die Blätter so wertvoll werden. Sie haben eine heilende Wirkung und werden in zahlreichen Tränken verwendet. Nun gut, genug geschwatzt. Ran an die Arbeit!« 

Ich suchte mir einen Platz und begann sogleich damit die roten dünnen Blätter mit der goldenen Flüssigkeit zu bestreichen. Kräuterkunde war eines meiner          Lieblingsfächer, ja auch wenn es schwer zu glauben war, aber auch ich konnte soetwas wie Lieblingsfächer haben. Mir machte es eine riesen Freude mit Pflanzen zu arbeiten, auch wenn sich das womöglich etwas absurd anhören mag. 

»Toria? Könntest du noch etwas dableiben?«, meinte Madam Sprout, als die Doppelstunde zu Ende war. »Was gibt’s denn, Professor?« »Nun, mir ist schon letztes Jahr aufgefallen, dass du dich sehr für mein Fach interessierst und ich wollte fragen, ob du nicht Lust hättest, mir so zwei bis drei Mal pro Woche zu helfen. Du könntest dir auch dabei etwas dazuverdienen!« »Klar, das würde ich sehr gerne machen, Professor!«, sagte ich lächelnd und hing meine Tasche über meine Schulter. »Nun gut, dann hast du am Mittwoch nach dem Mittagessen Zeit?« »Ja, ich hab am Mittwoch nur zwei Stunden, das wäre okay«, lächelte ich und freute mich ehrlich. 
»Was wollte die Sprout denn von dir?«, fragte mich Ruby, als ich zu den anderen in die große Halle kam. »Hab ‘nen Job«, antwortete ich grinsend und erzählte den anderen von Madam Sprout’s Angebot. Die Jungs und Alice fanden dies wohl nicht so ansprechend, denn sie meinten, dass ich somit noch mehr zu tun hätte. Als ob man in der sechsten Klasse schon so viel zu tun hätte. Die meiste Zeit hatte ich sowieso Freistunden, da man für die Aurorenausbildung nicht allzu viele Fächer benötigte. 

»Also, drückt die Brille irgendwo, oder passt sie?«, wollte Madam Pomfrey wissen. »Passt«, meinte ich und wollte schon aufstehen, da mir die ganze Sache nicht wirklich gefiel. Ich wollte eigentlich keine Brille und ich hasste es auf der       Krankenstation zu sein. Da bekam man immer wieder so ein deprimierendes    Gefühl. 
In Verwandlung und Pflege magischer Geschöpfe hatten wir sogleich Aufgaben aufbekommen. Da ich den ganzen Nachmittag frei hatte, wollte ich dies gleich   erledigen und meine Hausaufgaben machen. Vielleicht würde ich doch noch mal zu einer guten Schülerin werden, dachte ich lächelnd. 

Ich saß im Gemeinschaftsraum, als das Portrait aufschwang und ein Pärchen     kichernd hereingestolpert kam. Erst als der Junge sprach, versetzte es mir einen tiefen Stich in mein Herz. »Kommst du noch mit rauf?«, fragte Sirius das hübsche blonde Mädchen, das quiekend und hüpfend nickte.