Das Schuljahr war nun offiziell zu Ende. Jedermann freute sich schon auf die zwei Monate Ferien, die nun anstanden! Joanna und ich saßen im Zug nach Hause. Ich freute mich nun wirklich schon auf meine Familie! Zwar war es wirklich schön endlich wieder mit ihnen jeden Tag telefonieren zu können, aber wenn man sie leibhaftig sah, war es doch besser. Vor allem freute ich mich schon darauf, wenn sie den kleinen Lenny sahen. Jo wollte mir partout nicht verraten, woher sie den Waschbären hatte. Wahrscheinlich wollte ich es aber auch gar nicht wissen. Zum Schluss hatte sie ihn von irgendeinem dubiosen Tierhändler aus Hogsmeade! Nein, das wollte ich nun wirklich nicht wissen...
Hilary und Jake würden erst in zwei Wochen Schulschluss haben und erst dann nach Hause kommen. Auch auf sie freute ich mich schon.
Joana und ich würden in der dritten Juliwoche nach Teneriffa flohen und dort zwei Wochen verbringen. Die Vorfreude auf unseren Urlaub stieg von Tag zu Tag, auch bei meiner besten Freundin.
»Hey, mein Schatz. Da bist du ja endlich!«, rief Mum mir entgegen, als wir am Bahnhof angelangt waren. Lenny saß auf meiner Schulter, denn ich hatte keine Hand frei. Mit weit aufgerissenen Augen starrte meine Mum den kleinen Waschbären an. »Was. Ist. Das??«, fragte sie geschockt. »Das ist Lenny. Mein neues Haustier. Hab ich von Jo zum Geburtstag bekommen!«, lachte ich und nahm den Kleinen von meiner Schulter, als mir Mum die Sachen abnahm. »Okay. Aber du kümmerst dich um ihn und er wird auch wieder nach Hogwarts mitgehen und nicht zu Hause bleiben, hast du verstanden?« »Klar, Mum«, grinste ich, als wir Kings Cross verließen. 

»Dad! Ich hab dich vermisst!«, brüllte ich meinem Vater ins Ohr, als ich ihn am Abend in den Arm schloss. Er lachte. »Na das hoff ich doch.« Gemeinsam mit Joseph, Alena und Jo grillten wir in unserem Garten. Alena hatte eine Zitronentorte gebacken und ich freute mich schon riesig darauf!
Die Wochen zu Hause vergingen wie im Flug. Kaum waren wir angekommen, waren auch schon zwei Wochen vergangen und Hilary und Jake kamen nach Hause. Ich hatte für meine kleine Schwester in Hogsmeade sogar noch ein Geschenk besorgt, als wir heimfuhren. In den USA gab es keine Bertie Botts Bohnen, und so wollte ich ihr welche mitnehmen. Es war bereits sechs Uhr abends, als meine Schwester durch den Kamin gestolpert kam. 

»Hey, Schwesterherz! Hab dich vermisst«, sagte ich und umarmte sie. »Was hast du angestellt?«, wollte sie misstrauisch wissen. Ich gab ihr die mitgebrachten Bohnen und sie erzählte mir, was alles in der Schule abging. Mum und Dad hatten beide Nachtschicht und so blieben wir die ganze Zeit alleine. Wir sahen uns einen Film auf dem Visionator an und dann kochte ich etwas für mich, meine Schwester, Jake und Jo. Wenn unsere Eltern in den Ferien Nachtschicht hatten, teilten sie es sich meistens so ein, dass wir dann immer alle waren. Nicht sehr klug, meiner Meinung nach, aber was solls...

Es war der 17. Juli, als Joana und ich nach Teneriffa flohten. Unsere Eltern hatten uns irgendso ein Zaubererhotel gebucht, das scheinbar gut besucht war. Es gab einen großen Pool, große Zimmer, ein riesiges Buffet und es schien dauernd die Sonne. Ich war mir sicher, dass da auch irgendwelche Zauberer ihre Finger mit drin hatten. Jo und ich hatten sogar eine Terrasse! Das erste, was wir machten war, dass wir uns unsere Bikinis anzogen und zum Strand, der nicht weit von unserem Hotel entfernt war, gingen. Es war wunderschön. Das Meer war warm und die Sonne schien strahlend vom Himmel, außerdem war keine einzige Wolke zu sehen und ein angenehmes Lüftchen wehte. Perfekter konnte unser Urlaub schon gar nicht mehr werden. Wir verbrachten den ganzen Tag am Meer und als es bereits Abend wurde, machten meine beste Freundin und ich die Strandpromenade unsicher. Es gab massenweise Eisdielen und Discos. Ein Paradies für Urlauber! Die Musik war laut und Jo leerte schon ihren vierten Cocktail. »Also, ich denke, ich werd hier Spaß haben. Ehrlich!«, meinte sie und lehnte sich an die Bar. »Ach ja?«, grinste ich. »Na klar! Siehsu den Kerl dort drüben?«, lallte sie. Ich nickte, denn sie zeigte ganz »unauffällig« auf einen Typen. »Den werd ich jetz fragen, ob er ein Date haben will! Mit MIR!«, sprach's und torkelte in Richtung des sehr reich aussehenden Jungen. 
»Na? Hat dich deine Freundin allein gelassen?«, sprach mich ein relativ gut aussehender Kerl an. »Scheint wohl so«, grinste ich und strich mir eine Haarsträhne hinters Ohr. »Ich bin Neil und du bist?« »Tori«, antwortete ich lächelnd. Oh ja, vielleicht konnte ich ja auch etwas Spaß haben, dachte ich und unterhielt mich weiter mit Neil. So erfuhr ich, dass er eigentlich aus London kam, aber auf Teneriffa in SeaWorld arbeitete. Er bot mir sogar an, etwas die Insel zu zeigen und ich stimmte erfreut zu. Immerhin war Neil ja nicht gerade von schlechten Eltern. Er hatte dunkelblonde Haare und braune Augen. Er war groß, nett und kein Macho, nicht so wie Sirius. Ich musste ehrlich sagen, dass es mich schon verletzt hatte, als er weder zu meiner Geburtstagsparty kam, noch mir gratuliert hat. 

»Guten Morgen, Schlafmütze! Ich hab Hunger, gehen wir früstücken!«, meinte ich und hüpfte im Bett auf und ab. Jo wanderte immer weiter an den Rand des Bettes, bis sie ganz hinausfiel. Verwirrt sprang sie wieder auf. »Was ist passsiert?«, fragte sie und hielt ihren Zauberstab in Angriffsposition. »Hab Hunger«, sagte ich und band mir meine Haare zu einem Zopf zusammen. Meine beste Freundin hatte dicke, blaue Tränensäcke unter den Augen hängen. Vielleicht hätte sie den siebten Cocktail auslassen sollen, dachte ich, als ich vom Bett aufstand, um mir meine Schuhe anzuziehen. »Ach Mann, und da weckst du mich mitten in der Nacht auf?« »Jo? Es ist schon halb zehn!«, grinste ich. Etwas zerstreut zog sie sich an und wir gingen gemeinsam zum Früstücksbuffet. Es gab alles. Angefangen von Rührei, bis hin zu Obstsalat. Wie im Paradies! Soviel auf meinen Teller passte, lud ich auf. »Denkst du nicht, dass das etwas viel ist?«, meinte Jo, als sie endlich aus dem Träumeland aufgewacht war. »Nö«, lachte ich und steckte mir ein Stück Kiwi in den Mund. »Also ich treff mich heute mit Micheal.« »Wer ischt dasch?«, wollte ich neugierig wissen. »Der Kerl von gestern«, meinte sie und wurde ein bisschen rot. Aha! »Kannst du dich überhaupt noch daran erinnern, was ihr vorhattet heute?« »Haha, witzig, Tori. Natürlich weiß ich das noch. Wir wollten in den Tennis Club und am Abend essen gehen!«, sagte sie gespielt beleidigt. Sie wusste, dass ich es nie so meinte. 

Nach dem Frühstück gingen wir in unser Zimmer um uns umzuziehen. Ich zog mir eine kurze Hose, ein Tank Top und bequeme Schuhe an, denn Neil wollte mir heute etwas die Insel zeigen, zu Fuß! Schade, dass er Muggel war, sonst hätten wir das mit den Besen machen können...

»Siehst du die Hütte dort. Man erzählt sich, dass dort ein Schatz, der mit einem Fluch belegt ist, vergraben sein soll.« »Echt? Wollen wir den nicht suchen?«, meinte ich sogleich abenteuerlustig. »Na ich weiß nicht. Hier bekommt man schnell mal Ärger mit der Polizei, wenn man irgendwo rumgräbt. Ich wollte mal einen Baum pflanzen, so als Beweis, dass ich hier war, aber da muss man hunderte Amtswege gehen, bevor man da ein bisschen umschaufeln darf.«
Bei der Hütte angelangt, war es bereits Mittag. Dies war definitiv keine normale Steinhütte. Schon als wir hinkamen, spürte ich die Magie, die aus dem Inneren zu strömen schien. Ich verstand mich wirklich gut mit Neil. Er war 19 Jahre alt und hatte einen jüngeren Bruder und eine erst 5 jährige Schwester. 
»Ich hab auch eine Schwester, aber meine beste Freundin und ihr Bruder zählen für mich auch zur Familie. Ebenso ihre Eltern. Meine Freunde aus der Schule sind auch toll. Man wächst sehr stark zusammen, wenn man immer imselben Haus ist. Weißt du was ich meine?« »Ja«, sagte er und kam mir immer näher, bis seine Lippen auf den meinen lagen. Der Kuss war schön, aber nichts Besonderes. Wer weiß, vielleicht konnte ich es Sirius unter die Nase reiben! Ich war vielleicht durchtrieben...

Am Abend wollte ich noch schwimmen gehen, nachdem ich mich von Neil verabschiedet hatte. Er war nett, klar, aber nicht mehr, als eine Urlaubsbekanntschaft, aber das wollt ich ihm noch nicht sagen. Ich schätze, dass ihm das sowieso klar war. Die Sonne hatte noch immer eine sehr starke Kraft, Mittlerweile hatte ich auch schon eine schöne Farbe angenommen, genauso wie Jo. Sie war aber noch immer mit dem Kerl von gestern unterwegs. Gott sei Dank funktionierte mein Fungphon auf Teneriffa. Ruby hatte sich mittlerweile auch eines besorgt, da sie es obercool fand. Man konnte außerdem vier Fungphone mit Empfang versorgen mit meiner mobilen Station. Das war aber nur auf Hogwarts notwendig. Auch Alice hatte schon eines. Dieses SkyOwling war der Wahnsinn. Man konnte sich die unmöglichsten Sachen kaufen. Zudem war es äußerst praktisch. Man konnte sogar Geschenke direkt an das Geburtstagskind senden, man musste dies vorher nur extra angeben. Eine wirklich tolle Erfindung. 
»Und dann hat er dich einfach geküsst?«, fragte Ruby ganz aus dem Häuschen. »Wenn ich es dir doch sage!«, lachte ich und fuhr mir mit der linken Hand durch die Haare. »Ich dachte du bist in Sirius verliebt.« »Ich weiß nicht. Irgendwie bin ich es ja auch, aber er hat mir wirklich wehgetan mit seinem Verhalten. Nächstes Jahr wird es vielleicht besser werden!« »Bestimmt«, meinte Ruby und Tori fragte sie: »Und? Was machst du gerade?« »Bin auf dem Weg zu Remus. Dachte ich besuch ihn mal!« Ich schmunzelte. »Ist nett von dir. Richte ihm liebe Grüße von mir aus!» »Mach ich. Bis bald, Tori.« »Bis bald, Ruby.« Ich legte auf und machte es mir auf meiner Sonnenliege gemütlich. Am Abend stand ich auf der Terrasse und blickte zum schönen vollen Mond hinauf. 

Die Tage vergingen und wir genossen unseren Urlaub. Die meiste Zeit verbrachte ich natürlich mit Jo, aber hin und wieder unternahm ich auch was mit Neil. Da ich ja überhaupt nicht fieß war, wollte ich natürlich eine Karte an alle meine Freunde aus Hogwarts schreiben. Sprich: Sirius. Ich wollte es ihm unbedingt unter die Nase reiben, dass ich einen »Freund« hatte. Jo hatte mittlerweile herausgefunden, dass ihr Micheal ein richtiger Nerd und Angeber war. Sie hatte ihm doch tatsächlich eine Flasche Sekt in den Schoß geleert. Schade, dass ich nicht dabei gewesen war. Das hätte ich zu gerne gesehen.
Doch auch jeder noch so schöne Urlaub musste auch zu Ende gehen udn so freute ich mich auch schon wieder auf zu Hause. Bald würde mein sechstes Schuljahr und mein zweites Jahr auf Hogwarts beginnen.