Tori wollte wirklich nicht auf diese Tanzveranstaltung gehen. Bälle, oder gesellschaftlich höher gestellte Partys waren wirklich nicht ihr Ding. Joana dagegen war schon ganz aus dem Häuschen, sie konnte es gar nicht erwarten die ganzen anderen Bint Maat kennen zu lernen. Ihre Urgroßmütter sagten den beiden beinahe jeden Tag, wie stolz sie auf die beiden waren. Sie waren so froh, dass bei den beiden Mädchen auch das Gen ausgebrochen ist. Djamila, die Urgroßmutter von Tori, kannte ein Mädchen, bei der es bloß zum Teil durchgekommen war. Das arme Mädchen musste jetzt als Halb Mensch und Halb Kojote durch die Gegend laufen und war das Gespött aller. Umso froher war sie, dass die zwei besten Freundinnen das Gesamtpaket abbekommen hatten.

"Bist du fertig, Toria?", rief ihre Uroma zu ihr ins Zimmer. "Gleich", kam es von der 15 Jährigen zurückgebrüllt. Sie hatte ein Hauch von Nichts an und sie schwor sich, auch wenn sie unter keinen Umständen auf diesen Ball gehen wollte, dass sie davon ein Foto machen lassen würde und Sirius unter die Nase reiben würde. Verschlagen grinsend machte sie sich mit Djamila auf den Weg zum anderen Teil des Palastes, um Rabia und Joana abzuholen. Ihre Großeltern würden heute auch anwesend sein, zumindest die White's und die Brown's. 

Joana glaubte ihren Augen nicht, als sie den großen Saal, der aussah wie aus 1001 Nacht, betrat, in dem so viele Bint Maat waren. Alle waren mit kunstvoll bestickten Gewändern angezogen. Die alte Generation der Seelenwanderinnen war nicht so freizügig angezogen, wie die junge Generation, obwohl sich Joana bei diesem Gedanken dachte, dass sie auch nichts dafür konnten, denn ihre Urgroßmütter hatten die Kleider für die beiden ausgesucht! 

Djamila stellte Toria beinahe jedem vor, allerdings konnte diese nicht wirklich etwas sagen, außer "A salam alaikum". In solchen Momenten verfluchte sie sich selbst, nie Arabisch gelernt zu haben, obwohl ihre Mutter sie beinahe dazu gezwungen hätte. So hätte sie wenigstens mitreden können... 
Es gab viele marokkanische Spezialitäten auf dem Fest und Tori probierte jede einzelne, gut, die gegrillte Wüstenratte ließ sie dann doch aus, da der Schwanz, der noch immer daran hing, sie etwas abschreckte. 

Joana genoss den Abend in vollen Zügen. Sie hatte heimlich einen Zauber herausgefunden, mit dem sie alle anderen verstehen konnte und so amüsierte sie sich recht gut. Ihre beste Freundin sah man hauptsächlich bei ihrer Urgroßmutter oder am Buffet, stellte sie lächelnd fest. Das war typisch! Jo wollte gar nicht, dass dieser Abend aufhörte. Das hier war genau ihre Welt und sie war sich sicher, dass wenn sie einmal 17 Jahre alt war, würde sie bestimmt öfters nach Marokko kommen. Rabia stellte ihr sogar einige Verwandte vor, die sie noch nie in ihrem Leben gesehen hatte und sie schwor sich, dass sie zu diesen Personen sicherlich den Kontakt halten würde!


Es war stockfinstere Nacht, einzig und allein die Millionen Sterne erleuchteten den Himmel und der kühle Nachtwind fegte durch die Olivenbäume und Palmen. Ein 15 jähriges Mädchen mit braunen Haaren schlich sich aus ihrem Zimmer und ging in die Eingangshalle, wo ein riesengroßer, alter, massiver Schrank stand. Darauf waren viele Zeichen zu sehen, die sie allerdings nicht deuten konnte. Sie öffnete die Kastentür und holte einen kleineren zusammengerollten Teppich heraus. Ihr Urgroßvater hatte ihr einst gezeigt, wie man auf diesen Dingern fliegt. Leider war er schon tot. Tori rollte den rot verzierten Teppich aus und setzte sich darauf. Kaum zwei Sekunden später begann dieser zu schweben und erhob sich in die Luft. Das Mädchen flog durch das große Fenster hinaus in die Nacht, nichts wissend, dass ihre beste Freundin sie beobachtet hatte und ihr folgen würde. Joana wollte ursprünglich mit ihr reden, allerdings kam ihre beste Freundin ihr zuvor und flüchtete in die Wüste. Sie wusste, dass Tori eigentlich alleine sein wollte, aber Jo würde das Gespräch mit ihr nicht finden wollen. Sie wollte einfach nur mit Tori beisammen sein, ohne reden zu müssen. 
Auch Joana nahm sich einen Teppich und flog ihrer besten Freundin hinterher. 

Tori landete auf einer kleineren Düne mitten im Meer aus Sand. In der Nacht war die Wüste um einiges kühler, als am Tag und deshalb war es für das Mädchen auch sehr angenehm. Ein Windstoß bließ etliche Sandkörner über Tori's Arm und sie hielt sich die Augen zu, damit der Sand nicht hineinkam. 
Sie blickte in die Ferne und sah eine kleine Gestalt, die immer näher zu kommen schien. Je größer dieser Jemand kam, desto klarer wurde die Silhouette und das Mädchen erkannte die Person, die im Schneidersitz auf dem alten Teppich saß. Tori grinste. Ihr hätte klar sein müssen, dass ihre beste Freundin ihr folgen würde.