„WAS?!“, brüllte Tori lautstark mit Tränen in den Augen. „Ja!“, gab Jo vor Freude schluchzend zur Antwort. „Bei Merlin’s heiliger Unterhose“, flüsterte die junge, braunhaarige Gryffindor. „Komm her, Tori!“, lachte John Parker und nahm seine Tochter lächelnd in den Arm. „Nach drei Jahren!“, hauchte diese, die Situation noch immer nicht wirklich realisierend. „Ich weiß. Am Besten, ihr zwei geht jetzt hoch, zieht euch ordentlich an, packt eure Taschen und ich geh‘ derweil zu James. Jack hat mir das Geburtstagsgeschenk für ihn mitgegeben“, plapperte der Auror und die beiden Mädchen stiegen aufgeregt die Treppen zum Schlafsaal hinauf.

Sirius Black sah sich suchend im Gemeinschaftsraum um. „Suchst du wen?“, erklang die Stimme seines besten Freundes hinter seinem Rücken. „Tori.“ „Die ist schon weg. John war vor etwa zehn Minuten bei mir und hat mir von meinen Eltern das Geburtstagsgeschenk gebracht. Er ist mit Tori und Jo irgendwo hingefahren. ‘Nen Freund oder so besuchen“, zuckte James mit den Schultern und widmete sich wieder seiner Quidditch Zeitschrift. Frustriert ließ Sirius wieder die Schultern plus Kopf hängen und verschwand in Richtung Große Halle.

„Tori, beruhig dich!“ „Kann ich nicht“, rief Angesprochene hysterisch. „Was ist wenn er mich ablehnt?“, fragte Tori und blieb stocksteif stehen. „Quatsch!“ „Nein jetzt ernsthaft!“ „Komm, Tori, wir zwei gehen da jetzt rein und dein Dad bleibt draußen und dann sehen wir weiter, okay?“ Widerwillig fügte sich die Gryffindor und Jo betrat mit ihrer besten Freundin das Krankenhauszimmer. Sie schob Tori weiter hinein und sagte lächelnd: „So, ich lass euch zwei jetzt mal allein!“ „Jo, das kannst du-“, doch sie konnte ihren Satz schon nicht mehr vollenden, da Jo bereits die Tür hinter sich zugemacht hatte. Tori trat von einem Bein auf das andere; nervös kaute sie auf ihrer Unterlippe herum.

„Tori? Bist das du?“, sagte Tony mit brüchiger, und vor allem rauer, Stimme. Leicht hob sie den Kopf. „Hi, Tony“, begrüßte sie ihren besten Freund leise und sogar etwas schüchtern, da sie nicht wirklich wusste, wie sie sich verhalten sollte. Immerhin war sie ja daran schuld, dass er seit er zwölf war im Koma gelegen hatte. Langsam rollte eine Träne über ihr Gesicht und tropfte, als sie das Kinn erreicht hatte, auf den Boden. „Tori?“ Sie ging auf ihn zu und setzte sich zögerlich  auf den Stuhl neben dem weißen und sterilen Krankenhausbett. Noch immer auf ihrer Unterlippe kauend und weinend saß sie auf dem Sessel und konnte Tony nicht ins Gesicht sehen. „Tori, wieso redest du nicht mit mir?“ Angesprochene schluckte hart und sah endlich zu ihrem besten Freund, den sie dermaßen verletzt hatte. „Ich habe Angst“, gab sie ehrlich zu. „Vor was?“ „Dass… dass du mich jetzt hasst“, flüsterte sie und der Dunkelhäutige antwortete: „Kannst du mir erzählen, was passiert ist, warum ich hier bin?“ „Es tut mir so Leid“, flüsterte sie unter Tränen. „Was?“ „Ich bin daran schuld, dass du für drei Jahre hier warst, dass du drei Jahre lang im Koma gelegen hast!“ „Ich versteh nicht ganz…“ „Ich habe dich damals angegriffen. Ich hab’ die Kontrolle verloren und dann bin ich eben ausgeflippt. Wenn ich geahnt hätte, was alles passieren könnte, wenn ich nicht vorsichtig genug bin.“ Weiter konnte sie nicht mehr reden. Alles, das sich in den letzten drei Jahren in Tori angesammelt hatte, wollte nun auf einmal wieder heraus. Schluchzend saß sie wie ein Häufchen Elend auf dem Sessel. Tony zog ihren Oberkörper auf seinen Schoß und strich beruhigend über ihren Rücken. „Ist ja schon gut. Tori, was immer es war, das mich hier hin gebracht hat, es muss dir nicht Leid tun. Solange ich meine beste Freundin noch habe, ist mir so ziemlich alles egal.“ Mit der Zeit wurde Tony’s Stimme wieder weicher. Es war verständlich, dass er am Anfang nur krächzte. Das würde jeder, nach drei Jahren Koma.

So viel auf einmal hatte Tori Parker noch nie geweint. Wenn dann immer nur vor Freude und vom Lachen. Aber nie, weil ihr alles zu viel wurde. „So kenn‘ ich dich gar nicht“, lachte Tony und strich seiner besten Freundin eine Strähne aus dem tränennassen Gesicht.

Sich das Gesicht trocken wischend setzte sich die junge Parker wieder auf und atmete erstmal tief durch. „Ich hab‘ dich so vermisst, Tony!“ „Ich dich auch Tori, wenn ich mich an die Zeit im Koma erinnern würde“, lachte er. „Und jetzt erzähl schon!“ „Damals, also vor drei Jahren, machten Jo und ich eine Art Veränderung durch. Du weißt ja, dass sowohl Jo’s Mutter, als auch meine aus Marokko stammen. Und naja da gibt es so eine Legende mit Seelenwanderinnen, die sich in Kojoten verwandeln konnten. Da dieses Gen durch unsere Vorfahrinnen an uns weiter gegeben worden ist, haben sich Jo und ich mit zwölf Jahren verwandelt und am Anfang kann man das noch nicht so wirklich kontrollieren. Ich kann es jetzt noch nicht mal richtig. Auf jeden Fall hatten wir uns gestritten an dem Tag, naja, und dann bin ich ausgerastet und dann ist es auch schon passiert. Eine Woche lang warst du nicht stabil und dann bist du ins Koma gefallen. Ich dachte, so und jetzt ist es aus. Wie soll ich das schaffen? Und heute am Vormittag ist mein Dad gekommen und hat Jo und mir gesagt, dass du endlich aufgewacht bist. Du kannst dir nicht vorstellen wie aufgeregt ich war beziehungsweise bin.“ Tony lauschte gespannt den Worten von Tori. „Na das würd‘ ich dann mal Pech für mich nennen“, lachte er am Ende.

„Erzähl mir, was so alles in den letzten Jahren passiert ist!“, meinte Tony ganz aufgeregt. „Okay. Bill Marx stand nicht auf mich, was auch sonst!?“ „Und ich hatte dir noch gesagt, der Typ ist nichts für meine kleine Tori!“, schüttelte Tony lächelnd den Kopf und deutete Tori weiterzureden. „Ja und dann ist nicht wirklich was passiert. Mit Ariana und Liz haben wir wirklich viel angestellt. Und dann letzten Sommer hat die Gorsemoor mit Daddy und Joe gesprochen, dass die da irgendein neues Konzept, nur Merlin weiß was die vorhat, geplant hat und deswegen sind Jo und ich jetzt auf Hogwarts.“ Gespannt wartete Tori Tony’s Reaktion ab. „Na wenn das so ist, ich will ja nicht meine beste Freundin im Stich lassen. Ich werd‘ auch nach Hogwarts gehen.“