Bei Merlin. Bitte nicht! Bitte lass das nicht wahr sein! Bitte, bitte, bitte. WIESO?!
„S-Sorry. Bin schon weg“, stammelte ich und verschwand im Rückwärtsgang aus dem Zimmer. Immer noch mit weit aufgerissenen Augen. „Jo!“, rief mir James hinterher, allerdings hatte ich schon die Tür zugeschmissen. Wieso, bei Merlin’s Namen, passieren immer nur mir solche peinlichen Aktionen? , fragte ich mich. „Jo, warte“, James kam aus dem Raum. Oh, wow, er hat es wohl nur noch fertig gebracht seine Jeans anzuziehen. „Wieso sollte ich warten, James?“ Sollte er nicht bei Fletcher sein? Im Bett? Als er zu einer Erklärung ansetzen wollte, schnitt ich ihm das noch nicht einmal ausgesprochene Wort ab: „James, ich bin nicht deine Freundin. Du brauchst mir nichts erklären. Außerdem sah das da drin grade ziemlich eindeutig aus.“ Wow, woher nahm ich denn plötzlich die feste Stimme? Alles in mir wollte einfach nur heulen was das Zeug hielt.
„Es tut mir Leid, Jo“, flüsterte er und sah dabei aus wie ein getretener Hund. „Dir muss nichts Leid tun. Aber könntest du bitte deinen Freund von Tori holen?“, fragte ich und schluckte die aufkommenden Tränen hinunter. Oh Mann…
James nickte und ich ging gemeinsam mit dem halbnackten Gryffindor in Richtung meines Schlafsaals. Eindeutig zweideutig. Bei Merlin, hatte ich heut‘ Nacht mal wieder im Scherzkisterl geschlafen?

„Okay, Padfoot, runter von Tori!“, sagte James und versuchte mit Gewalt Sirius von Toria runter zu bekommen. Keine Chance… Der hat sich festgesaugt wie ein Saugnapf. „Tori! Es gibt Lasagne!“ Mir kam die Idee ganz spontan und sie funktionierte doch tatsächlich! „WO?“, brüllte sie und sprang auf. Sirius, der nicht damit gerechnet hatte, stieß sich den Kopf an dem Bettpfosten, da er noch immer auf dem Boden lag. Er sah nun aus, als verstünde er die Welt nicht mehr. Tja, mein Lieber, Finger weg von meiner armen besten Freundin, wenn du sowieso nichts von ihr willst, sagte ich ihm in Gedanken. Okay, er konnte ja nichts hören, da er nicht in meinem Kopf rumstöbern kann. Bei Merlin, meine Gehirnwindungen sind heute aber wirklich nicht ganz auf Trab.

„Es is‘ ja nijenss wo Lasane!“, beschwerte sich meine immer noch sternhagelvolle beste Freundin. „Stimmt. Aber du, meine Liebe, wirst jetzt in dein Bett gehen und deinen Rausch ausschlafen. Morgen früh wirst du mir dankbar sein!“

Tori maulte noch etwas herum, verkroch sich dann aber in ihrem Bett. Natürlich wusste ich, dass bei ihr jetzt nicht an schlafen zu denken war. „Es tut mir wirklich Leid“, sagte mir nocheinmal James. Wie oft wollte er sich noch entschuldigen?! Bis er schwarz ist?

Als sie endlich verschwunden waren, seufzte ich laut auf. Oh Mann… Wieso immer ich? „Hey, was isn los?“ Tori setzte sich zu mir auf mein Bett und legte mir eine Hand auf die Schulter. Sie klang nicht mehr ganz so betrunken. Den Kojoten Genen sei Dank.
„Ich-Das war total peinlich echt!“, beschwerte ich mich schon und vergrub mein Gesicht in meinen Händen. „Was denn?“, fragte meine beste Freundin und strich mir beruhigend über den Rücken, als ich auch noch zu heulen anfing. „Schh.“
„Ich bin einfach so rein und was seh ich?“ Tori sah mich unverwandt an. „James mit Fletcher. Im Bett“, der letzte Teil ging in Tränen unter. „Mistkerl“, schimpfte sie sogleich. Na toll, jetzt würde sie wieder ausrasten und dann… Nein lieber nicht daran denken.

„Okay, Tori, morgen ist Samstag und da es mittlerweile schon neun Uhr am Abend ist, wirst du jetzt schlafen gehen!“ Meine beste Freundin schob die Unterlippe vor und verschränkte die Arme vor der Brust. Wie ein kleines Kind…
„Ach komm schon, Jo, lass sie“, verteidigte sie Sirius, der wohl gerade aus dem Träumeland erwacht war. Ich lass die beiden jetzt wohl besser alleine, dachte ich mir. Die hatten bestimmt so gewisse Sachen zu besprechen…

Tori POV

„Ach komm schon, Jo, lass sie“, hörte ich auf einmal meine Lieblings Stimme. Sirius setzte sich neben mich und Jo verschwand, nicht ohne ihm noch einen skeptischen Blick zugeworfen zu haben.
Wow, wieso war ich denn auf einmal so nervös. Lag bestimmt am Essiggurken Essig.
„Okay, ich glaub, wir sollten reden“, begann er nach einiger Zeit. Ich brachte allerdings bloß ein Nicken zu Stande.

„Es tut mir Leid, Ria“, fing er auch schon an. Ich wusste es…
„Ich hätte dich nicht küssen dürfen. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie sehr ich den Feuerwhisky in diesem Moment verfluche! Ich hab‘ einfach nicht gewusst, was ich tue. Es tut mir so Leid. Lass-Lass uns das ganze einfach vergessen, okay?“ Ich nickte, da ich einfach nicht Nein sagen konnte bei seinem betretenen Gesicht. Und wieder mal hatte meine Gutmütigkeit gesiegt…

Sirius strahlte mich an und umarmte mich. Leicht tätschelte ich seinen Rücken. Wieso, bei Merlin? Warum nur?!

„Na, gut Sirius. Ich muss morgen früh auf. Mein Daddy holt Jo und mich ab, weil wir wen im Krankenhaus besuchen.“, verabschiedete ich mich von meinem ‚besten Freund‘.

Ich begab mich ebenso wie meine beste Freundin zuvor in meinen Schlafsaal, den ich mir nun mit Jo, Ruby UND Alice teilte. Dort angekommen ließ ich mich an der Tür hinunterrutschen, genauso wie in den ganzen Herz Schmerz Filmen, und, genau wie die Schauspieler, fing ich an zu heulen.
Ich wischte hastig die Tränen weg und sagte zu mir selbst: „Mann, Parker, du bist so ein Baby! Du hast ganz genau gewusst, wie er so drauf ist.“

Die anderen hatten meine Ankunft (Merlin sei Dank) nicht mitbekommen. Alice saß mit ihrem MagiMusi auf dem Bett und hörte sich wahrscheinlich gerade einen Hit nach dem anderen an. Ruby starrte nicht, wie die Stunden davor, auf ihren neuen Teddy, sondern stand pfeifend im Badezimmer undklatschte sich eine Maske ins Gesicht. Jo lag auf ihrem Bett und las die Hexenwoche. Schnell, damit mich auch keine bemerkte, ging ich zu meinem Schrank, holte meinen Pyjama heraus und ging zu Ruby ins Bad.

„Hey! Und was hat Sirius mit dir geredet?“, wollte sie auch schon wissen. Ich seufzte. „Na was wohl? Er hat gemeint, dass wir das einfach vergessen sollten, wir waren sturzbesoffen und haben nicht gewusst was wir machen.“ „Und du? Hast du ihm eh gesagt, dass es dir schon etwas bedeutet hat?“, fragte sie mich und schmierte sich weiter im Gesicht herum. „Dass es… dass es mir auch nichts bedeutet hat“, grummelte ich und sah schnell weg, da ich ihren anklagenden Blick beinahe riechen konnte. „Tori, du bist dem Kerl mit Haut und Haaren verfallen. Dann küsst er dich und sagt dir anschließend, dass es ihm nichts bedeutet hat. Da frag ich mich echt, wieso du ihm auch noch zustimmst?“, warf sie mir vor. „Ich weiß ja. Aber ich will die Freundschaft nicht ruinieren“, murmelte ich und wusch mein Gesicht. Duschen würde ich morgen früh auch noch können…

„Na wenn du meinst“, seufzte sie und wusch sich die Maske ab. „Ich geh jetzt schlafen. Gute Nacht“, sagte sie und ließ mich im Badezimmer allein stehen.
„Oh, Tori, was hast du dir da nur wieder eingebrockt?“, fragte ich mein Spiegelbild, bevor ich mit einem gemurmelten ‚Nox‘ das Licht ausmachte, um auch schlafen zu gehen.