Es war Valentinstag. Schon früh war Tori mies gelaunt aufgewacht und motzte jeden an, der sie auch nur im Entferntesten nervte. Auch Jo war nicht besser drauf. Nicht nur, dass es in Hogwarts nur so von verliebten Paaren wimmelte, nein, die meisten Mädchen, die noch solo waren, standen auf James. Jede einzelne von ihnen drängte sich unter einen Mistelzweig, wenn er nur im Entferntesten in der Nähe zu sein schien. Ihre beste Freundin hatte ihrer Mutter, die mit Alena und Maria im Zwetschken-Kuchen-Back-Verein war, ein Rezept abgeknöpft und war am Vortag damit hinunter in die Küche spaziert. Sie wollte unbedingt Sirius einen Kuchen schenken.
„Wenn das so weiter geht, kotz ich denen da in den Nacken“, würgte Jo und betrachtete angeekelt das knutschende Paar vor ihr und Tori. „Du hast ja sowas von Recht!“, stimmte ihr ihre beste Freundin zu und zog den linken Nasenflügel etwas hoch um ihren Ekel zu verdeutlichen. „Hey“, murrte ein ebenso schlecht gelaunter Remus plötzlich neben den beiden Gryffindor Mädchen.
„Hi, Remus“, begrüßten Jo und Toria den Jungen im selben Ton. „Auch schlecht drauf?“, wollte er wissen. „Nein, das sieht nur so aus“, antwortete Tori mit vor Sarkasmus triefender Stimme. Remus schnaufte. „Fangt ja nicht an zu streiten“, drohte Joana und wackelte mit dem Zeigefinger.
„Sonst was?“, fragte ihre beste Freundin provokant, mit den Händen an die Hüften gestemmt. „Überspann den Bogen nicht, Victoria!“, fauchte Jo. „Na wer ist denn hier gestorben?“, wollte ein wahnsinnig gut gelaunter, und anscheinend auch lebensmüder, Sirius Black auf einmal wissen, der sich zu den dreien dazu gesellte. „Du, wenn du nicht gleich deine gut gelaunte Klappe hältst“, zischte Tori und funkelte weiter Joana an. Sie hatte sie Victoria genannt. Noch ein Tropfen und sie würde am Blafon spazieren gehen.

„Boah, ich geh wieder in mein Bett. Sirius, ich bring dir nachher was vorbei, also sieh zu, dass du die nächste Stunde keine Tusse in deinem Zimmer hast“, sagte Toria und verschwand dann auch gleich wieder im Gemeinschaftsraum der Gryffindors. „Was ist denn mit der Ria los?“, fragte Sirius verblüfft. Normalerweise war sie immer die erste, die nachdem sie sich geduscht und fertig gemacht hatte, am besten von allen drauf war. Aber heute…
„Pad, es is‘ Valentinstag!“, erklärte Remus, Angesprochener sah ihn aber nur wie ein Maikäfer wenn’s blitzt an. „Na und?!“ „Sie hat keinen Freund, ihre beste Freundin ist genauso mies drauf wie sie“, versuchte Remus dem begriffsstutzigen Sirius auf die Sprünge zu helfen. „Okay…“, meinte Angesprochener darauf noch immer nicht ganz wissend, wieso sein bester weiblicher Kumpel so miese Laune hatte.

Tori stapfte murrend wieder in den Gemeinschaftsraum und ging sofort in Richtung ihres Schlafsaales. Heute konnten ihr alle gestohlen bleiben. Wahrscheinlich würde der Tag dann so enden, dass Jo und sie irgendwo betrunken in ihrem Zimmer kugeln würden und am nächsten Tag keine Ahnung haben würden, was sie angestellt hatten.

In der großen Halle war es nicht gerade besser, als in den Gängen. Im Gegenteil. Dort häufte sich das Übel und Joana war zum Kotzen zumute. „Oh mein Gott, was soll ich nur machen?“ Eine hyperventilierende Alice war für die schlecht gelaunte Jo wirklich wie Benzin im Feuer. „Mann, Alice, geh‘ jetzt endlich zu ihm hin und REDE VERDAMMT NOCH MAL MIT FRANK!“, stieß die junge Moreno genervt aus und streckte die Arme in die Luft, nur um sich kurz darauf die Haare zu raufen. Zögerlich stand Alice auf und ging in Richtung des Gryffindor Jungen. „H-Hey Frank“, stammelte sie und Frank Longbottom sah sie neugierig an. „Hi, Alice. Was gibt’s?“, fragte er. „Ich wollt‘ einfach mal so mit dir reden“, antwortete sie leise und setzte sich neben ihn auf die Bank. Frank betrachtete die Braunhaarige lieb lächelnd. „Wie geht’s dir so?“, wollte sie von ihm wissen und die beiden begannen eine einfache Unterhaltung.

Ruby betrachtete den flauschigen Teddybären in ihren Händen. Er lächelte sie herzig an und in seinen weichen Pfoten trug er ein Plüschherz auf dem ‚I love you‘ stand. Von Remus konnte er eher weniger sein, da dieser seit den Weihnachtsferien kein einziges Wort mehr mit ihr gewechselt hatte. Aber von wem sollte er sonst sein? Es betrachtete sonst eigentlich kaum jemand das blonde Gryffindor Mädchen. Ruby grübelte nun schon seit einer halben Stunde. Noch immer saß sie in ihrem Bett und starrte auf den sandbraunen Bären in ihren Händen. Plötzlich ging die Tür auf und eine nicht gerade glücklich aussehende Tori kam in den Schlafsaal getrampelt. „Was ist denn mit dir passiert?“, wollte Ruby wissen und zog fragend die Augenbrauen in Richtung Haaransatz. „Wenn ich die ganzen Verliebten da draußen sehe, wird mir echt schlecht!“, motzte sie und schmiss sich auf ihr Bett, nur um kurz darauf wieder aufzustehen und Richtung Tür zu stampfen. „Wo gehst du hin?“, wollte Ruby wissen und Tori antwortete: „Ich brauch Essiggurken!“ Es vergingen etwa 15 Minuten und die junge Parker kam wieder. Allerdings nicht nur mit einem Glas Essiggurken. Nein, sie trug drei Gläser Gurken, eine Packung Zitroneneiscreme und fünf (!) Flaschen Feuerwhisky. „Bist du wahnsinnig, Tori?! Willst du dich vergiften?“ Ruby war definitiv geschockt. Erstens: die Mischung, die Tori da gerade anschleppte und Zweitens: Wer bei Merlin’s Namen sollte das alles hinunter bekommen?!

Tori allerdings zuckte bloß die Schultern und warf die Sachen auf ihr Bett. Dann holte sie aus dem Schrank, dessen einer Teil zu einer Art Kühlschrank umfunktioniert worden war, den Zwetschken Kuchen für Sirius. Sie stellte diesen auf ihren Nachttisch und fläzte sich zu dem Alkohol und den Kalorienbomben auf’s Bett. „Willst auch einen?“, bot Tori der jungen Greenwood an und zeigte auf eine der Flaschen. „Nein, ganz sicher nicht werde ich mich hier mit dir betrinken, Tori“, verneinte sie und Tori zuckte mal wieder nur mit den Schultern. Sie köpfte eine Whiskyflasche und nahm einen kräftigen Schluck daraus.

Jo kam nun auch endlich wieder vom Frühstück und Tori saß nun nicht mehr in ihrem Bett sondern davor auf dem Boden. Den Visionator, den sie ihrer Schwester abgeknöpft hatte, lief auf Hochtouren und rund um das Mädchen herum lagen gebrauchte Taschentücher. Sie selbst heulte wie ein Schlosshund. „Was ist denn hier los?“, fragte Jo und vergaß für einen Moment ihre schlechte Laune. „Isch wollt‘ nimma des ganze Verliebtheit sein mitmachen. Das jann einen rischtisch jegen den Strisch gehen, weissu?“, lallte Tori und nahm noch einen Schluck aus ihrer Flasche. Hinter Joana kam Sirius durch die Tür und sah zuerst verwundert drein. Allerdings änderte sich das schlagartig und ein breites Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. „Gib her“, sagte er und setzte sich neben die Gryffindor auf den Boden. Er nahm die Flasche in die Hand und machte einen großen Schluck daraus. „Tut das gut! Pears kann mich mal!“

Ruby betrachtete ungläubig die ganze Situation. Vor ihr auf dem Boden saßen Tori und Sirius und schütteten sich systematisch mit dem Feuerwhisky zu. Sie sahen sich einen Herzschmerzfilm nach dem anderen an. Das Mädchen hatte schon vor einiger Zeit aufgehört zuzuhören. Ebenso wie Jo, die sich in ihrem Bett verkrochen hatte, die Vorhänge zugezogen und las wahrscheinlich irgendeine Zeitschrift. Auf jeden Fall konnte man alle zwei Minuten ein Rascheln von Papier hören.

„Ach ja, Tori, du wolles‘ mia ja iajenwas geben!“, kam der junge Black drauf, als sie schon den Nachspann des dritten Filmes sahen. „Genau! Hatt‘ isch ja janz vergessn!“ Schwankend stand sie auf und ging zu ihrem Nachttisch. Sie nahm den Kuchen und ging wieder zu ihren ‚besten Freund‘. „Boah. Du bist Klasse, Tori!“, staunte er und sah ehrfürchtig auf den Kuchen. Sie setzte sich wieder neben ihn und stellte sein Geschenk auf seinem Schoß ab. Irgendwie betrachtete der sie gerade ziemlich seltsam, ging es der jungen Parker durch den Kopf, als sie auch schon Sirius‘ Kopf immer näher kommen sah. Wow, ich sollte nicht so viel Alkohol trinken, dachte sie, als sich auch schon seine Lippen auf ihre legten.

„OH MEIN GOTT!“ Joana hatte den Vorhang wieder zurück gezogen, da es auf einmal verdächtig ruhig war. „Sirius, weg von meiner besten Freundin!“ Sie rüttelte an seiner Schulter, aber der Junge hörte nicht auf das Mädchen neben ihm zu küssen. Genervt stöhnend richtete sich Jo wieder auf und riss die Tür auf. Sie stampfte in Richtung der Jungenschlafsäle. Wenn sie es nicht schaffte den Rumtreiber aus ihrem Zimmer zu stampern, dann würde es sein bester Freund mit Gewalt erledigen müssen.
Eilig riss Jo die Tür auf. „James, pflück deinen besten Freund von meiner bes…“, weiter kam sie nicht, denn das Bild, das sich vor ihr abspielte, trieb ihr die Tränen der Enttäuschung, Wut und Trauer in die Augen.