Irgendwann mitten in der Nacht, ich hatte schon jegliches Zeitgefühl verloren, gingen Sirius und ich wieder in Richtung des Gryffindor Turmes. Er hatte mir noch so einiges von seinen Weibergeschichten erzählt und ehrlich gesagt, am liebsten hätte ich geheult. Ich meine, war das wirklich notwendig? Aber auf der anderen Seite, er dachte, ich würde für ihn auch nichts anderes als Freundschaft empfinden…

„Bananeneis“, gähnte mein treuer Gefährte und das Bild der fetten Dame schwang auf. Im Gemeinschaftsraum war gähnende Leere. Was auch sonst um die Uhrzeit, dachte ich, als mein Blick auf meine Armbanduhr fiel. Oh, die war ja auch noch da! Halb eins! Na toll…

„Na, dann. Gute Nacht, Sirius!“, verabschiedete ich mich von meinem „besten Freund“.

„Nacht, Tori. Du bist echt eine klasse Freundin!“, sagte er noch, bevor er die Treppen zu seinem Schlafsaal hinauf verschwand. Oh Mann, dachte ich frustriert und schleppte mich in mein Zimmer.

 

„Was ist denn hier los?“, wollte ich wissen, als ich die Tür aufmachte. Mitten im Raum saßen Ruby und Jo und in ihrer Mitte eine weinende Alice.

„Naja… Wir waren gerade im Gemeinschaftsraum. Es war kurz nach dem Abendessen. Auf jeden Fall kam Frank hereinspaziert und quatschte mit Remus. Und dann kam Pears, die dumme Pute. Sie meinte, da sie ja noch nicht genug Leben ruiniert hatte, müsse Alice auch mal dran kommen. Hat ihr einfach die Klamotten, also bis auf die Unterwäsche, weggehext! Vor Frank! Sie steht auf ihn“, den letzten Teil flüsterte sie nur noch. Das. Darf. Nicht. Wahr. Sein!

 

Ich bring sie um!

Meine Hände begannen zu zittern und eine unerträgliche Hitze kroch mein Rückgrat hinauf. Die Nasenflügel hoben und senkten sich. Von meinem Herzen ausgehend breitete sich eine extreme Hitze in meinem ganzen Körper aus.

Was bei Merlin’s Namen bildete sich diese hirnamputierte Schlampe nur ein?!

Dachte sie, dass sie mit ihren Plastikfingernägeln und ihren blondierten, krausen Haaren bei irgendjemand landet?!

Mein ganzer Körper musste mittlerweile schon zittern. Mir war es egal. Das Blut rauschte mir in den Ohren und ich konnte nicht mehr klar sehen. Ich sah bloß noch rot.

 

Es ertönte ein Ratschen und ich stand nicht mehr als Mensch da.

„TORI! Bist du irre?!“, schrie meine beste Freundin auf mich ein, als sie aufgesprungen war. Alice und Ruby sahen mich teils ungläubig, teils geschockt an. Von ersterer konnte ich andauernd „Oh bei Merlin, bei Merlin, bei Merlin“, hören. Ruby’s Herzschlag ging dermaßen unregelmäßig und schnell, dass ich schon befürchtete, sie würde mir hier auf der Stelle randalieren und dann tot umfallen.

 

„Tori! Wie oft haben wir das besprochen?“, fauchte mich Jo an. Oh, oh. Das würde Ärger geben. „Allerdings!“, zischte sie. Wie konnte sie das wissen? , fragte ich mich in Gedanken und sah sie verwirrt an. „Dein Blick spricht Bände“, antwortete sie. „Und jetzt verwandel‘ dich endlich wieder zurück!“, murrte sie mich sauer an.

 

Da ich sie nicht noch wütender machen wollte, als sie sowieso schon war, verwandelte ich mich wieder in Tori zurück und Jo hielt mir einen Bademantel hin. Oh Mann, die schönen Klamotten. Wehmütig sah ich auf die Fetzen, bis mir wieder einfiel, dass ich ja eine Hexe war und ich das Zeug wieder reparieren konnte. „Reparo“, murmelte ich und das Top, das Shirt, die Jean und meine Unterwäsche lagen nun wieder vollständig am Boden. „Leute, kann ich mich zuerst anziehen gehen, bevor wir das klären?“, fragte ich so breit grinsend wie eh und je. Noch immer geschockt nickten Ruby und Alice und Jo zuckte mit den Schultern. Ich ging zu meinem Schrank und holte meinen Pyjama heraus, um mich gleich darauf ins Badezimmer zu begeben.

 

„Okay, was wollt ihr wissen?“, fragte ich lässig in die Runde und grinste mal wieder. „Ähm, naja, so ziemlich alles?“, meinte Ruby und machte große Augen. Sah witzig aus. Okay, Tori, konzentrier dich. Du musst hier jetzt deine ganze Geschichte, ab 12 Jahren ausbreiten! Denk nach!

„Also. Angefangen hat das ganze als wir 12 waren.“, begann meine beste Freundin, wurde allerdings von Alice geschockt unterbrochen: „Was? Du auch?“ Jo nickte und erzählte weiter: „Naja. Das hat was mit unseren Müttern zu tun. Oder besser gesagt, mit den Vorfahren unserer Mütter. Tori, erzähl du die Legende, du kennst sie besser.“

„Na gut. Vor vielen Jahrhunderten lebten Berber Stämme auf dem Gebiet des heutigen Marokko. Da aber immer zwei sehr große Stämme miteinander auf Kriegsfuß waren, schuf die Göttin der Gerechtigkeit, Maat, die sogenannten Seelenwanderinnen. Sie sollten dafür sorgen, dass sich das Gleichgewicht zwischen den beiden damaligen Imperien wieder herstellte. Die jungen Frauen, beziehungsweise Mädchen, verwandelten sich danach aber trotzdem noch in Kojoten. Und so gab jede Mutter ihrer Tochter das Gen der Seelenwanderin weiter. Und wie man sieht, ist es auch noch in unserer Zeit vorhanden.“, beendete ich meine Erzählung. Jo lächelte. Ihr hatte die Geschichte schon immer wahnsinnig gut gefallen, aber auch die Vorstellung daran, umgeben von Sand zu leben, erfreute sie. Ich muss allerdings zugeben, dass auch mir das gefallen würde.

 

„Bei.“ „Merlin“, beendete Ruby Alice‘ angefangen Ausruf. Ich grinste. „Wie geil ist das denn?!“, kreischte dann ganz plötzlich Alice los und meinte gleich darauf: „Ihr könnt euch in Kojoten verwandeln!“ Jo lachte und ich grinste. Was auch sonst…

„Aber bitte, bitte… Kein Wort zu irgendjemanden!“ Jo klang nicht wirklich panisch oder so, es war eher eine Art Vorsichtsmaßnahme.

 

„Natürlich nicht!“, sagte Ruby und griff sich, übertrieben dramatisch, ans Herz.

„Also, jetzt erzähl mal, Alice, wie ist es zu der Eskapade von der Pears denn überhaupt gekommen?“, wollte ich dann doch noch wissen. „Naja. Wie Jo schon gesagt hat: Wir sind gerade vom Essen gekommen und haben uns auf eines der Sofas gesetzt. So zum Verdauen. Auf jeden Fall, ist dann auch Frank Longbottom herein gekommen und die Pears gleich noch dazu. Und naja, ich glaube, dass die da was weiß, was sie nicht wissen sollte. Ich denke nämlich, dass sie weiß, dass ich auf ihn steh… Okay, weiter im Text. Sie hat mich so fieß wie eh und je angegrinst und zack bum, saß ich auch schon in rosa Bärchenunterwäsche mitten im Gemeinschaftsraum. Und Frank hat alles mitbekommen!“, seufzte sie frustriert. „Was wird er jetzt nur von mir denken?“ Sie klang beinahe hysterisch. Okay, das würde ich auch sein, wenn mich Sirius in rosa Bärchenunterwäsche sehen würde…

 

„Sag mal, Alice, willst du bei uns einziehen?“, fragte Ruby die kleine Braunhaarige. Diese fing an zu grinsen und nickte eifrig. Uh, cool, noch eine für den nächsten Mädelsabend, dachte ich glucksend.

 

„Okay, was machen wir jetzt?“, wollte ich dann von der Mädels Runde wissen, als wäre es selbstverständlich. „Schlafen, vielleicht?!“, meinte meine beste Freundin. „Nein, ich will zuerst wissen, wie’s so mit Sirius bei deiner Strafarbeit war!“, sagte Ruby dann gleich wieder ganz aufgedreht. „Na gut. Also. Wir sind also zu Filch gegangen und der hat uns Muggel Putzzeug in die Hand gedrückt. Auf jeden Fall haben Sirius und ich am Anfang eigentlich nicht viel geredet, aber dann… dann hat er mal wieder von seinen unzähligen Weibergeschichten angefangen zu erzählen“, seufzte ich frustriert. „Arschloch“, war Ruby’s Kommentar und als sie Alice‘ verwirrtes Gesicht sah erklärte sie: „Sie steht auf ihn. Er weiß es nicht und sagt andauernd, dass sie die beste Freundin ist die Mann haben kann!“ „Arschloch!“ Alice sah wirklich bestürzt aus. Okay…

 

„Aber jetzt gehen wir schlafen, sonst kann ich morgen Früh Tori mit ‘nem Stapler aus dem Bett holen!“, lachte Jo und ging ins Bad um sich auch Bettfertig zu machen.