Oh, Mann! Gleich der erste Schultag und schon hatte ich Nachsitzen an der Backe! Das war ja mal wieder typisch ich! Wieso musste das eklige Schleimgesicht, auch unter Malfoy bekannt, auch nur den verdammten Kessel in die Luft sprengen? Im Kerker hatte ich schon wieder zu zittern begonnen. Ich musste wirklich aufpassen, dass ich nicht die Kontrolle verliere. Wenn ich nur daran denke, was das letzte Mal passiert war…

Nein, lieber nicht daran denken, versuchte ich mich selbst in Gedanken aufzumuntern. Ich hatte nichts gegen Sirius‘ Gesellschaft, im Gegenteil, ich war richtig froh, dass ich mit ihm so einige Stunden allein verbringen konnte. Auch wenn er nichts von mir wollte, war ich doch sehr glücklich darüber, dass ich wenigstens seine beste Freundin war. Ich meine, es könnte ja noch schlimmer sein. So wie bei Jo und James, oder wie bei Remus und Ruby…

Ich war wirklich froh darüber, dass wir uns so gut verstanden.

 

„Oh, Mann, Tori, da bist du ja endlich! Ich hab dich schon überall gesucht! Wo warst du?“, fragte mich meine beste Freundin.
„Sorry, ich wollte ja auf dich warten, aber ich musste raus, sonst hätt ich noch die Kontrolle über mich verloren!“, gab ich zu.
„Mann Tori, du musst dich echt beherrschen! Was lasst du dich auch so provozieren, du weißt ganz genau was ist wenn du außer Kontrolle gerätst, dann …!“
„Jo, ich weiß es doch, aber was kann ich dafür wenn dieses Arschloch den Kessel explodieren lässt? Wärst du da nicht auch ausgerastet?“, motzte ich meine Freundin an.
„Ja, aber …“
„Nichts aber.“
„Ja, du hast Recht, es tut mir Leid. Jetzt hast du wegen diesen Vollpfosten auch noch Strafarbeiten aufgebrummt bekommen.“
„Ja, eins sag ich dir, ich mache Malfoy noch fertig. Das wird sein letztes Jahr in Hogwarts sein.“, sagte ich und plötzlich hatte ich ein sehr fieses Grinsen auf meinem Gesicht, wie von einer Irren. Jo trat einen Schritt zurück, sie schaute mich an, als hätte sie Angst vor mir.
„Und wie war’s eigentlich mit Snape im Team?“, fragte ich schnell, damit ich vom Thema ablenken konnte.
„Ich hatte Glück, dass er gut in Zaubertränke ist und für das Projekt eine gute Note haben wollte. So musste er mit mir zusammenarbeiten und konnte mir keine Steine in den Weg legen! Aber Tori jetzt lenk‘ nicht vom Thema ab. Bei deiner Rache an Malfoy helfe ich dir natürlich, wozu sind Freunde da! Aber bitte, Tori, schau das du deine Wutanfälle in Griff bekommst, sonst…“ Ihr Satz blieb unvollständig, da Professor Sinistra hereinspaziert war. Wir hatten jetzt Astronomie. Jeden Dienstag die zweite Stunde und dann nochmal am Freitag um ein Uhr Früh.

„Guten Morgen liebe Schüler!“
Aurora Sinistra kam in das Klassenzimmer hinein geschlendert. „Nehmt eure Pergamente und eure Feder zu Hand, heute wird mal wieder geschrieben.“
Oh nein, das hat mir heute gerade noch gefehlt, eigentlich mochte ich die Professorin, aber nur weil wir mit ihr nicht so viel schreiben mussten. Und wenn sie den Unterricht schon so anfing, dass wir Pergament und Feder heraus nehmen sollten, konnte das nur heißen, dass wir viel schreiben würden.
Hmm… danach noch eine Stunde Verwandlung, den üblichen Mist an Schulfächern und dann noch im Pokalzimmer, alles schrubben. Der Tag war heute echt zum Kotzen und das alles am ersten Schultag.

 

Als endlich das letzte Mal für diesen Tag die Schulglocke läutete, sprang ich so schnell ich konnte auf und schnappte mir Jo. Wir hatten gerade Wahrsagen und mein Kopf brummte. Die Professorin, die eindeutig zu oft Tausend un eine Nacht gesehen hatte, meinte, sie müsse ihr Klassenzimmer mit einem für sie wohlschmeckenden Duft verpesten.

 

So schnell ich konnte rannte ich mit Jo an meiner Hand durch die Gänge des Schlosses. Als ich endlich bei der Fetten Dame angekommen war, schleuderte ich ihr „Bananeneis“ (das Passwort) entgegen.

„Okay, Tori, jetzt mach mal langsam!“, schnaufte meine beste Freundin. Jedoch grinste ich bloß und zog sie weiter bis in unseren Schlafsaal.

Ruby, die schon seit einer Stunde aushatte, saß auf ihrem Bett und schaute erschrocken von der Hexenwoche auf, als Jo und ich lachend in das Zimmer fielen, wortwörtlich.

„Was ist denn mit euch los?“, wollte Ruby dann von uns wissen, als wir noch immer lachend am Boden lagen und uns herum kugelten. „Wir“, begann Jo, brach dann aber wieder ab, da sie von Lachkrämpfen geschüttelt wurde. „Wir haben“, nun war ich an der Reihe abzubrechen. „Wir haben“, sagte wieder Jo und ich beendete: „keine Ahnung!“ Die Fragende stand vor uns, mit verschränkten Armen aber mit einem Grinsen von einem Ohr zum anderen und schüttelte den Kopf.

„Ihr seid verrückt, wisst ihr das?“, lachte sie und ging wieder zu ihrem Bett, nachdem wir aufgestanden waren.

 

Wir quatschten noch ein bisschen, bevor ich ins Bad ging und mich duschte. Merlin sei Dank, hatten Jo und ich noch genug Vorrat an Duschgel bis Ostern gekauft. Ich würde ohne mein Orangenblütenduschgel wirklich umkommen!

„Schrubb schrubb schrubb di schrubb. Sauber bin ich schwubb di wubb“, sang ich während ich das Haarshampoo in meine Haare einmassierte. Ich stieg wieder aus der Dusche und trocknete meine Haare mit dem Zauberstab. Danach zog ich noch eine schwarze Jean an, ein lila Träger Top und ein weites buntes T-Shirt darüber. Wieder betrat ich unseren Schlafsaal und fragte: „Kann ich mich so sehen lassen?“ Ich drehte mich einmal um meine eigene Achse und dabei fiel mir auf, dass auch noch ein anderes Mädchen da war. Was ich wusste, hieß sie Alice Baker.

„Tori, das ist Alice Baker, sie war auch in meinem Schlafsaal, bei Pears.“, stellte mir sie Ruby vor. Die Arme…

„Hey, du tust mir Leid. Ich kann die Pears sowas von nicht leiden!“ Ich war mal wieder knapp davor in eine meiner bekannten Schimpf und Fluch Triaden auszubrechen, als mir Jo auch schon den Mund mit ihrer Hand versiegelte. Oh Mann…

 

„Und ja, du siehst gut aus.“, grinste sie mich an. Na wenigstens etwas…, dachte ich ebenso breit grinsend wie meine beste Freundin. Da es auch schon Zeit für’s Abendessen war, gingen wir auch direkt in die Große Halle. Von dort aus würde ich dann mit Sirius zu meiner ersten(!) Strafarbeit dieses Schuljahr gehen. Jo war total stolz auf mich, als sie mich gefragt hatte, ob ich wirklich noch keine Strafarbeiten machen hab müssen.

Als wir endlich unten ankamen, bemerkte ich etwas, das meinen Tag wieder in Richtung positiv steuerte: Es gab Lasagne! Ein seliges Lächeln legte sich auf meinen Mund, als ich an die Sauce, die Nudelblätter und den Käse dachte. Fantastisch! Ich war regelrecht süchtig danach. Danach und nach Zitroneneis. „Und schon verbessert sich Tori’s Welt in nur einer Sekunde!“, erzählte Joana lachend und zeigte auf die Lasagne vor mir.

„Na, wie geht’s den Ladies denn heute so?“, fragte uns Sirius, der sich gemeinsam mit James und Remus gegenüber von uns setzte. „Jetzt, da ich meinen persönlichen Schatz gesehen habe… fantastisch!“, grinste ich ihn an und die Farbe wich ihm aus dem Gesicht. „Äh, Sirius, ich glaube sie redet über die Lasagne und das Zitroneneis“, murmelte Remus einem seiner besten Freunde zu und zeigte auf den Teller vor mir. Wieder legte sich ein seliges Lächeln auf mein Gesicht und meine Augen huschten jeweils in die linke obere Ecke. „Jap. Sie redet eindeutig über die Lasagne!“, lachte James, als er meinen Gesichtsausdruck bemerkte.

 

„So, Leute! Wir verschwinden dann mal!“, verabschiedete ich mich von den anderen und Sirius und ich machten uns auf den Weg zum Pokalzimmer um unsere Strafarbeit anzutreten.

Dort angekommen stand auch schon Filch, mit einer griesgrämigen Miene wie immer, vor uns und drückte uns zwei Eimer und Fetzen in die Hand. Und dann war der Kerl auch noch so fieß und gab uns irgendein Muggel-Reinigungsmittel! So würden wir ja nie im Leben fertig werden!

„Wehe ich sehe euch nur einmal, dass ihr zwei nicht schrubbt wie die Teufel!“, drohte Filch und hob dabei seinen Zeigefinger. Wollte der uns Angst machen? Okay, sein Gesicht konnte einem das Fürchten lehren!

„Na, dann! Ran ans Werk!“, sprach ich motivierende Worte und nahm mir den Putzeimer. Oh Mann!

 

„Weißt du, Tori, was ich wirklich extrem dämlich finde?“, wollte Sirius nach einer Weile des fleißigen Putzens wissen. „Nein, Sirius, das weiß ich nicht. Aber ich wette, dass du es mir gleich verraten wirst“, grinste ich. „Da hast du Recht. Naja, vor Weihnachten war noch alles okay. Damit mein ich mit unserer kleinen Clique. Die einzigen, die noch wirklich miteinander reden, sind wir zwei. Okay, stimmt nicht so ganz. Ruby redet noch mit James und Jo noch mit Remus. Aber trotzdem is‘ es dämlich. Ich mein, am Schulanfang war alles tutti paletti und jetzt…“, er seufzte. „Ich weiß was du meinst! Ich würd wirklich gern mal wieder was mit allen, mit wirklich ALLEN was unternehmen, aber durch Jo und Ruby wird das glaub ich eher weniger und somit bleiben wieder nur wir zwei über.“

Eine Weile schwiegen wir und putzten einfach in Gedanken versunken die Pokale und Medaillen.

 

„Ich hab eine Idee!“, sagte er dann. „Muss ich jetzt Angst haben?“, fragte ich und grinste ihn frech an. „Nein. Wieso?“ „Ach, vergiss es. Also, was war deine Idee?“ „Naja, wenn du mit Jo und Ruby redest und ich mit Remus…“, er grinste mich verstehend an und ich tat es ihm gleich. „Ah… Okay, ja das mach ich. Vielleicht schaffen wir es wirklich noch, dass wir vielleicht mal wieder alle miteinander was unternehmen.“

 

„Oh, weißt du schon was ich am Wochenende vorhab‘?“, wollte er dann von mir wissen. „Nope.“ Ich ahnte Böses.

„BiBi Canavan!“, grinste er etwas dreckig. Na klasse…

Wusst‘ ich’s doch! Ich grinste, jedoch nur mein Mund. Meine Augen mussten ausgesehen haben wie braune Steine ohne Glanz. Das konnte ja noch lustig werden!