Tori POV

 

„Also Tori! Ich hab riesen Mist gebaut! Wirklich riesen Drachenmist!“, begann Jo zu fluchen.

Ich sah sie nur etwas fragend an, da ich noch immer nicht fähig war zu reden.

Was musste der mich auch dermaßen schocken?!

„Ich hab James gegenüber etwas total Blödes fallen lassen!“

„Und was?“, endlich hatte ich meine Stimme wieder gefunden, allerdings musste ich schwer schlucken.

„Ich hab ihm gesagt, dass er der Grund für meine blonden Haare ist!“, kreischte sie hysterisch.

„Das. Hast. Du. Nicht.“, ich betonte geschockt jedes einzelne Wort. Bitte, bei Merlin, lass sie das nicht gesagt haben!

„Doch!“ Sie hat es gesagt. Na toll!

„Okay… Und was machen wir jetzt?“

„Keine Ahnung, deswegen wollt ich ja mit dir reden! Da war diese Kuh, Chloe Fletcher, weißt schon, die beste Freundin von der Pears, und hat mit meinem, MEINEM James geflirtet!“

„Er ist aber nicht DEIN James, und gegen die Fletcher haben wir sicher irgendwo ein Mittelchen im Giftschrank“, hinterfotzig und verschlagen rieb ich mir die Hände. Meine Augen mussten ausgesehen haben wie die von einer Irren. Okay, irgendwie war ich ja auch irre…

„Oh ja, das machen wir!“

Sie lachte hinterlistig und hatte den Glanz in den Augen, den sie immer hatte, wenn sie was ausheckte. Mir gefiel es, denn meistens war ich auch dabei involviert!

„Okay, jetzt genug von mir. Wir planen dann zu Hause weiter!“, sagte meine beste Freundin dann und sah mich fragend an. „Was?“, wollte ich wissen und zog meine Augenbrauen in Richtung Haaransatz.

„Na, was hast du hier oben mit Sirius getrieben? So ganz allein“, wissend grinste sie.

„Wir haben nichts getrieben. Zuerst hat er mir gesagt, dass er unheimlich froh ist mich kennen gelernt zu haben und dass ich der beste weibliche Kumpel bin, den Mann haben kann“, erzählte ich frustriert und legte meinen Kopf auf meine Handflächen.

 

„Das hat er nicht oder?“, fragte sie ernsthaft verzweifelt und streckte die Arme in die Luft und rief: „Wieso?“

„Ha, das hab ich mich auch gefragt“, lachte ich kehlig auf.

„Aber, aber… Das geht doch nicht! Der muss einfach auf dich stehen. Ich mein, du bist Tori! Das hübscheste, netteste, liebenswerteste Mädchen, das ich kenne!“

„Danke, Jo, aber anscheinend sieht das Sirius nicht so.“

Wieso, bei Merlin, war in meinem Leben viel zu vieles so kompliziert?!

Zuerst meine Abstammung, die mich mit 12 eingeholt hatte, eine andere Schule, eine etwas zickige Schwester, die einen den Nerv rauben konnte, ein schwuler depressiver Onkel und jetzt auch noch ein Kerl in den ich verliebt war, aber er nicht in mich!

Wo sollte das noch hinführen?

Wetten, dass ich mit 70 als alte Jungfer auf der Veranda meines Elternhauses sitze, mich um meinen stein-alten Vater kümmere und mich über die schlimmen Kinder meiner Schwester beschwere?

 

„Sieh mal, Tori, wir fahren jetzt nach Hause, ich mach dir einen riesen Zitroneneisbecher und dann sehen wir uns einen Herzschmerz Film nach dem anderen an! Wir klauen einfach den Visionator von deiner Schwester! Was sagst du dazu?“, munterte mich Joana auf.

Jetzt musste ich doch grinsen.

Was hatte ich nur für eine verrückte, aber dermaßen liebenswürdige, beste Freundin?

 

Die Tage vergingen und ehe wir uns versahen, saßen wir auch schon wieder im Zug nach Hogwarts.

Diesmal war er nicht so voll, da auch einige Schüler über die Ferien in der Schule geblieben waren.

Wir suchten uns ein Abteil.

Ruby und Remus würden im Vertrauensschüler Abteil sein und ich hatte Sirius gebeten nicht mit James in unser Abteil zu kommen, da dann nur die Fetzen fliegen würden.

Jo war noch immer nicht gut auf James zu sprechen.

 

Meine beste Freundin schnappte sich ein Buch. Sie hatte eine neue Buch Reihe entdeckt und verschlang beinahe den Inhalt.

Also packte ich meine Gitarre aus und zupfte etwas an den Saiten herum.

 

Mir kam wieder der Moment mit Sirius auf dem Dachbalkon in meinen Kopf und leider Gottes sammelten sich Tränen in meinen Augen.

Was war ich nur verweichlicht geworden!?

 

He’s the reason for the teardrops on my guitar

 

Wow, der Satz passte wirklich gut zu meiner Stimmung.

Vorgestern hatte er mir doch tatsächlich von einer seiner neuesten Eroberungen erzählt!

 

I’ll bet she’s beautiful

That girl he talks about

And she’s got everything

That I have to live without

 

Schnell nahm ich mir meinen Block und Kugelschreiber und schrieb die Zeilen auf.

Könnte ein gutes Lied werden.

Ein weiteres für die Sammlung, dachte ich.

Von einer Sekunde auf die andere schrieb ich das Lied wie einen Tagebucheintrag, was es ja im Prinzip auch war.

Nach der Reihe wusste ich was jetzt gehörte.

 

Es dauerte keine 10 Minuten und es war fertig.

 

Ich las es mir noch einmal durch.

 

He looks at me

I fake a smile so he won't see
What I want and I need
And everything that we should be

 

I’ll bet she’s beautiful

That girl he talks about

And she’s got everything

That I have to live without

 

He talks to me
I laugh 'cause it's just so funny
I can't even see
Anyone when he's with me

 

I wonder if he knows
He's all I think about at night

 

He’s the reason for the teardrops on my guitar

The only thing that keeps wishing on a wishing star

He’s the song in the car I keep singing

Don’t know why I do

 

He walks by me
Can he tell that I can't breathe?
And there he goes, so perfectly
The kind of flawless I wish I could be

 

She better give him all her love

Look in those beautiful eyes

And know she’s lucky ‘cause

 

He’s the reason for the teardrops on my guitar

The only thing that keeps wishing on a wishing star

He’s the song in the car I keep singing

Don’t know why I do

 

So I drive home alone
As I turn out the light
I'll put his picture down
And maybe get some sleep tonight

'Cause he's the reason for the teardrops on my guitar
The only one who's got enough of me to break my heart
He's the song in the car I keep singing
Don't know why I do

He's the time taken up but there's never enough
And he's all that I need to fall into
He looks at me
I fake a smile so he won't see

 

Ich spielte es Jo vor und es gefiel ihr!

Wir schmiedeten die Rache an Chloe Fletcher weiter und vergaßen dabei die Zeit.

Bald kam auch schon Ruby und setzte sich zu uns.

 

„Leute, mir ist was extremst Peinliches passiert!“

Sie ließ sich auf den Sitz neben Jo fallen und vergrub ihr Gesicht in den Händen.

„Und was?“, mampfte ich. Die dicke Frau mit den Süßigkeiten war gerade vorbeigekommen und ich hatte so einiges Geld dabei ausgegeben.

„Zu Silvester. Da hab ich mich ja an die Bar gesetzt und wusste nicht was ich machen sollte, weil mir so langweilig war. Auf jeden Fall, hat sich dann Remus zu mir gesetzt und wir haben angefangen zu quatschen. Nach einiger Zeit hat er mir ein Glas in die Hand gedrückt und sich selbst auch eins. Naja, keine Ahnung wie oft er nachgeschenkt hatte, allerdings war ich sternhagelvoll!“

Mir klappte der Mund auf.

Die brave Ruby und sich so richtig bis oben hin betrinken?

Das war eher mein Gebiet…

„Und dann…“

„Hast du ihn angekotzt!“, beendete ich ihren Satz, jedoch bedachte sie mich bloß mit einem sehr verzweifelten Blick.

„Nein, Tori, ich hab ihn nicht angekotzt! Und dann.. naja… habenwirrumgemacht“, nuschelte sie in ihren nicht vorhandenen Bart hinein.

„Was?“, ich sah sie fragend an.

„Wir. Haben. Rumgemacht!“

Wieder verselbstständigte sich mein Kiefer.

Sogar Jo’s Futterluke stand sperrangelweit offen.

Ich grinste. Sah irgendwie witzig aus…

Und dann fiel mir wieder ein, wieso meine beste Freundin zum Fisch mutiert war.

„Du hast mit ihm rumgemacht?!“, rief ich hysterisch. „Und wie war’s?“, fragte ich nun wieder grinsend und überschlug meine Beine, stützte meinen Ellenbogen auf meinem Knie ab und legte den Kopf in die Handfläche. Natürlich durfte es nicht fehlen, dass ich mit den Augenbrauen wackelte.

 

„Tori!“, Jo sah mich so an, als hätte ich was Falsches gesagt. Hm…

Ruby brach in Tränen aus.

„Er hasst mich jetzt sicher! Und, und vorhin, da hat… schnief… er mich nicht mal… schnief… angesehehehen!“ Oh mein Gott! Also, mit weinenden Menschen konnte ich ja so überhaupt nicht umgehen!

Jo legte ihren Arm um Ruby’s Schulter.

Das veranlasste unsere Vertrauensschülerin nur dazu, noch mehr zu weinen und zu schluchzen.

Irgendwie fühlte ich mich unwohl…

 

„Sieh mal, Ruby, wir sind gleich in Hogwarts. Du willst doch nicht, dass er dich so sieht, hab ich Recht?“, fragte Jo und wischte ihr die Tränen von den geröteten Wangen.

„Okay“, piepste sie leise und schniefte nocheinmal.

 

 

Liebes Tagebuch!

 

Dieses Miststück von Parker glaubt doch wirklich, dass sie was Besseres ist!

Nicht nur, dass sie mir meinen Siri-Schatzi wegnehmen will, nein!

Sie war auch mit ihrer besten Freundin Joana auf seiner Geburtstagsparty! Heute Morgen hatte ich das beim Frühstückstisch mitbekommen.

Diese blöde Schlampe…

Als ob er sich für sie interessieren würde! Pah!

Dass ich nicht lache!

Dieses dämliche Weib ist wirklich lächerlich und sie glaubt wahrscheinlich auch noch, dass es „cool“ ist, wenn sie solche Wutanfälle hat.

Sie ist nichts anderes, als ein hässliches, minderwertiges Entlein.

Wie ich sie doch hasse…

Aber eines verspreche ich dir!

Ich werde Parker dermaßen fertig machen, dass sie sich wünschen wird, nie nach Hogwarts gekommen zu sein!

 

Tiffany